TRAINING

KENNELTRAINING – FÜR MEHR ENTSPANNUNG

7 Aug 2016

KennelEINFACH MAL EINE RUHIGE KUGEL SCHIEBEN

Wenn man einen Hund von der Kategorie „Flummi“ zu Hause hat, wird man besonders in der Welpenzeit merken, wie schwierig es ist, dem kleinen Ruhe beizubringen. Denn spätestens, wenn man ausdauernd versucht, den kleinen Wirbelwind müde zu spielen wird man über kurz oder lang feststellen, dass die Fellnasen wahre „Duracell-Häschen“ sein können. Nach einer Stunde Bespaßung wird vielleicht eine halbe Stunde geschlafen und die Reise beginnt von vorne. Längerfristig führt das aber leider zu einem dauergeladenen Hund, der auch im erwachsenen Alter ein ständiges Dauerprogramm verlangt, weil er von Welpenzeit an abhängig von Adrenalin und Dopamin ist. Diese Stoffe werden nämlich bei Aufregung ausgeschüttet und sorgen auch bei den sogenannten „Ball-Junkies“ für ein suchtähnliches Verhalten. Diese innere Unruhe wird noch gefördert, wenn das Wochenprogramm eines Hundes, dem eines Topmanagers ähnelt:

Montag: Morgens die große Runde (mind. 5km; natürlich werden da die gängigen Kommandos runter gerattert und militärisches Fussgehen mit Anstarren trainiert (die Alltagstauglichkeit dieser Übung ist mir bis heute schleierhaft), Mittags eine Runde Dummytraining, Abends joggen mit Herrchen.

Dienstag: Morgens Gassi-Date mit dem Hundekumpel („die spielen so toll; fetzen sich eine Stunde lang über die Wiese“), Mittags wird der Schnüffelteppich rausgeholt, Abends ist noch Agility, THS, Rally-O, Mantrailing…

Mittwoch: Morgens mal ne „ruhige Kugel schieben“; nur entspannt Inliner fahren, Mittags wird nochmal die Grundstellung vom Obedience im Garten trainiert, Abends auf der Runde wird nochmal die Ballschleuder raus geholt…

… und so weiter und so fort. Da wird einem beim Lesen schon schwindelig, oder? Und viele meinen es ja auch wirklich nur gut; denn überall wird einem eingetrichtert; wenn der Hund nicht genügend ausgelastet sei, geht er einem die Wände hoch, steht nicht mehr „gut im Gehorsam“ oder ist chronisch gelangweilt. Und nicht wenige Hundeschulen und Vereine profitieren ja auch von dem immer weiter wachsenden Freizeitangebot, was man so mit Wauzi wahrnehmen kann.

ABER; die Beschäftigung beim Hund sollte immer unter dem Aspekt „Qualität“ vor „Quantität“ stehen. (Man bedenke nur die fürchterliche Langeweile, die ein Bordercollie bei einem Schäfer haben muss, wenn die Schafe im Winter im Stall stehen. 😉 ) Hunde gehen nämlich nicht so gerne verschwenderisch mit ihren Kraftreserven um, wie mancher Hundemensch zu glauben scheint. Häufig gehört in diesem Zusammenhang ist daher; „Der rennt einfach gerne… ohne Ballspielen, Inliner fahren, Fahrradtouren, THS ist der nicht ausgelastet… der ist einfach nicht kaputt zu kriegen.“  Viele, besonders arbeitsfreudige Rassen, tun dabei eigentlich mehr ihrem Menschen als sich selbst einen Gefallen, bei so einem Programm. Und obwohl Fiffi ja „rassetypisch“ ausgelastet und ständig „abgelenkt“ wird, geht er trotzdem jagen; aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel. 😉

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Wenn man denn einen gesunden Rhythmus mit seinem Hund gefunden hat, in dem er zwar Auslauf und Beschäftigung bekommt, sollte dennoch die oberste Priorität „ruhen“ sein. Denn ein gesunder Hund schläft zwischen 18-22 Stunden am Tag. Ja ihr lest richtig; so viel Schlaf muss sein, denn Hunde lernen nicht etwa, wenn sie mit einem auf dem Hundeplatz rumkaspern oder während des Konflikts mit dem Artgenossen, sondern neue und herausfordernde Situationen werden in den Ruhephasen verarbeitet. Und wenn man einem Hund diese Phasen nicht zugesteht, knallen die Synapsen schon mal durch.

Zu dieser Ruhezeit wird natürlich nicht nur der absolute Tiefschlaf gerechnet, sondern auch die Zeit in der Bello döst, mit auf der Couch kuschelt oder euch mit Schlafzimmerblick beim bügeln beobachtet.

Aber wie eingangs schon erwähnt, ist es häufig schwer, dem Hund klar zu machen, dass nach Bespaßung immer ein laaaaaanger Zeitraum „nichts-tun“ kommt, in dem der Hund auch einfach ignoriert wird. Und damit ist nicht dieses menschlich passiv-aggressive „Schatz-du-hast-schon-wieder-unseren-Jahrestag-vergessen“-Ignorieren gemeint. Sondern, dass man den Hund zwar wahrnimmt (klar, denn vielleicht liegt er im Weg und man muss ihn an die Seite schieben, damit man überhaupt mit dem Staubsauger durchkommt 😉 ) aber ihn nicht dauernd anspricht, streichelt oder in erwartungsvoller Haltung anstarrt, er möge doch jetzt mal was „niedliches“ machen, weil einem gerade danach ist. Verständlicherweise ist das besonders bei Welpen unheimlich schwer; zumal man ja auch immer ein Auge drauf hat, ob er nicht gerade ein Anzeichen für den nächsten See macht. Aber ihr werdet merken, dass der Hund längerfristig ein entspannteres und dadurch auch gesünderes Leben führt. Denn dauernder Stress, durch eine durchgängig hohe Erwartungshaltung, ist nicht gut für unsere Vierbeiner.

Bitte entschuldigt an dieser Stelle, die lange Einleitung, aber es ist mir wichtig, dass was jetzt kommt, nicht als Übung für ein zeitweises „Ausharren“ an einem Ort,  verstanden wird. Diese Übung hat nichts mit den meisten Trainingsansätzen durch Konditionierung mit Belohnung jedweder Art zu tun. Denn hierbei soll der Hund für sich selber lernen, dass für ihn Entspannung und nicht der nächste Keks, das höchste Ziel ist.

Darum ist es zu Beginn wichtig dem Hund einen Ort zu schaffen, an dem er die Verantwortung, immer alles mitbekommen zu wollen, abgeben und entspannen kann. Und was eignet sich dazu besser, als eine Höhle? Da nun die wenigstens ein kuscheliges Erdloch im Wohnzimmer haben, weichen wir dafür auf den Kennel aus. 😉

Das Gittermodell ist momentan bei uns in Benutzung.

Das Gittermodell steht jetzt bei uns zu Hause.*

Das Hartschalenmodell hatten wir zur Welpenzeit.

Das Hartschalenmodell hatten wir zur Welpenzeit.*

Den Stoffelkennel benutzen wir im Auto und auf Reisen.

Den Stoffelkennel benutzen wir im Auto und auf Reisen.*

 

Dabei sollte beachtet werden, dass Welpen ob sie wollen oder nicht, doch nochmal den ein oder anderen See in die Box machen könnten, wenn man nicht schnell genug ist. Darum empfiehlt sich in der ersten Zeit mit einer Hartschalen-Transportbox zu trainieren. Für Hunde die schon stubenrein sind, kann aber auch ein Gitter- oder Stoffkennel benutzt werden.

Meiner Meinung nach, würde ich aber zu Anfang keinen Stoffkennel benutzen. Aufgedrehte Exemplare können schon mal versuchen sich aus der Box zu beißen (Welpenzähnchen können messerscharf sein) und wenn sie dabei auch nur ansatzweise Erfolg haben, verfolgen sie eventuell eher die Strategie, weiter an dem Loch zu arbeiten, als sich zu entspannen.

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UTENSILIEN

Für unser Kenneltraining braucht ihr nun Folgendes:

  1. Einen Kennel eurer Wahl und der Größe eures Hundes angepasst. Am besten ausgestattet mit einer Decken oder einem Kissen.
  2. Euren Hund.
  3. Ein Halsband mit Hausleine. (Die Hausleine kann einfach ein 1 m langes Lederband, ein Stück Wäschleine oder eine kurze Biothaneleine* sein.)
  4. Zeit.
Für unser Training haben wir dieses Jahr eine alte Leine mit einem Lederband verlängert.

Für unser Training haben wir eine kaputte Leine mit einem Lederband verlängert.

Tino ganz entspannt mit Hausleine, auch außerhalb des Kennels.

Tino ganz entspannt mit Hausleine, auch außerhalb des Kennels.


UNSERE 6 STEPS FÜR RUHE UND ENTSPANNUNG IM KENNEL

I. DER RICHTIGE ORT FÜR DEN KENNEL

Sucht nun den Platz für den Kennel so aus, dass er nicht direkt an einer Stelle steht, an der dauernd Durchgangsverkehr herrscht (nicht im Flur oder unter der Treppe). Er sollte außerdem geschützt sein vor Zugluft, direkter Sonneneinstrahlung und Heizungs- oder Ofenhitze. Trotzdem soll der Hund nicht das Gefühl bekommen, aus dem Familienleben ausgesperrt zu werden. Eine ruhige Ecke im Wohn-, oder Esszimmer ist daher perfekt. Wenn ihr die Stelle gewählt habt, sollte sie, solange ihr mit dem Hund den Kennel trainiert, möglichst auch nicht mehr verändert werden. Später wird der Hund aber kein Problem mehr damit haben und ihr habt sein „kleines Stück zu Hause“ immer dabei, egal wo ihr den Kennel aufbaut. Ist doch super praktisch, oder? Um es dem Hund zusätzlich gemütlich zu machen, kann man noch ein Tuch oder eine Decke zur Abdunkelung über den Kennel legen. Dieses höhlen-artige Gefühl lieben die meisten Hunde und es ist der große Vorteil gegenüber dem Ruhetraining im Körbchen oder der Decke, wobei der Hund einfach viel mehr mitbekommt, was um ihn herum passiert.

Unser Kennel (ohne und mit Überwurf) steht in einer Ecke neben dem Fernseher.

Tinos Kennel (ohne und mit Überwurf) steht in einer Ecke neben dem Fernseher.

II. DAS HERANFÜHREN

Wenn ihr mit eurem neuen Welpen bzw. erwachsenen Hund den Kennel trainieren wollt, holt diesen bereits, bevor die Fellnase bei euch einzieht. Stellt die Box in die gewünschte Ecke und macht kein extra Aufsehens, wenn der Hund das erste Mal den Raum mit dem Kennel betritt. Viele Züchter haben in der Welpenstube Transportboxen stehen, sodass die meisten so etwas ähnliches schon mal gesehen haben. Wenn der Kennel erst nach dem Hund einzieht, tut so als wenn der Kennel einfach ein neues Möbelstück wäre. Ihr stellt ja auch nicht jeden Hocker eurem Hund vor, oder? („Moin Bello, ich bin der neue Hocker.“ „Moin Moin Hocker, was machst du hier so?“ „Ach ich steht hier nur so rum.“) Wenn der Welpe oder auch erwachsene Hund erst mal kein Interesse an dem Kennel zeigt oder sogar zurückschreckt, versucht es nicht anders aufzubauen als eben einen Stuhl oder einen Tisch und schenkt dem Kennel nicht extra Aufmerksamkeit in dem ihr Leckerli reinstreut. Der Hund bzw. der Welpe wird nur denken, dass mit dem Ding irgendwas komisch sein muss, wenn ihr darum ein großes Theater macht. Wenn ihr eh in Spiellaune seid, schmeißt mal ein Spiely rein, dass der Hund super findet und schaut ob er es rausholt. Wenn er zögert aber trotzdem rein geht; kurz loben und das Spiel geht draußen weiter. Wenn er partout nicht rein will, holt es selber raus und spielt dann locker weiter. Habt immer im Hinterkopf; der Hund soll den Kennel als etwas ganz Normales wahrnehmen.

Kennel Spiel

Man kann den Kennel ungezwungen mit ins Spiel einbinden; einfach das Spiely rein werfen und euer Hund holt es wieder raus.

III. DAS ERSTE MAL „IN DIE BOX“

Für das erste Mal in der Box, solltet ihr den Zeitpunkt so wählen, dass der Hund kurz vorher alle seine Geschäfte verrichtet hat, ihr vielleicht eine kleine Runde gespielt habt oder von der Gassirunde heim kommt.  Außerdem kann der Hund gefressen und getrunken haben, wenn es Zeit für die „Raubtierfütterung“ war. Wenn also alle diese Bedürfnisse beim Hund gestillt sind, nehmt die Hausleine auf. Diese baumelt, besonders beim Welpen, auch in der Wohnung immer am Hund. So ein kurzes Band stört den Hund gar nicht und ihr könnt ihn lenken und mit euch mitnehmen, ohne ihn ständig anfassen oder sogar hoch nehmen zu müssen. Das macht viele Hunde nur unnötig hektisch und man muss auch nicht übertriebene Körpersprache einsetzen. Eine kleine einladende Geste und ein minimales Zuppeln an der Leine reicht meist, dass der Hund hinter einem her kommt. Außerdem entfällt besonders bei Welpen das lästige an- und ableinen, während man an der Stubenreinheit arbeitet. Ihr führt den Hund nun an der Hausleine zur Box und leitet ihn hinein.

Die Hausleine macht es einfach, den Hund bis zum Kennel und hinein zu führen.

Die Hausleine macht es einfach, den Hund bis zum Kennel und hinein zu führen.

Auch hier lasst ihr die Leine einfach dran. Wenn er direkt wieder rausläuft, nehmt einfach die Leine wieder auf, dreht eine kurze Runde durch die Wohnung und leitet den Hund wieder in den Kennel. Am Anfang reichen meist so 3-4 Anläufe und der Hund bleibt schon von sich aus mal einige Sekunden im Kennel. Dann nehmt die Hausleine, die vielleicht noch ein Stück rausbaumelt auf, zuppelt ein bisschen dran und löst mit einem kurzen „OK“ oder „Voran“ auf, sodass der Hund wieder rauskommt.

Ihr wartet einen kurzen Moment in dem der Hund im Kennel bleibt und leitet den Hund dann an der Leine wieder hinaus.

Ihr wartet einen kurzen Moment in dem der Hund im Kennel bleibt und leitet den Hund dann an der Leine wieder hinaus.

Damit der Hund diese „Vorwärtsbewegung“ mitbekommt, sollte die Leine an einem Halsband befestigt sein. Ihr merkt; bisher mussten wir weder große Worte verlieren, noch mit Leckerli um uns schmeißen. 😉 Wichtig dabei ist jedoch, dass ihr ganz entspannt bleibt (auch wenn Welpi in die Hausleine beißt; ist euch das total egal; so ein Band ist schnell ersetzt) und ihr immer diejenigen seid, die vorgeben wann es in die Box geht und wann wieder raus. Wenn euer Hund also nach dem 4. Anlauf merkt; „Aha es geht immer in die Box und irgendwann geht’s auch wieder raus“, wiederholt das Ganze und sagt dabei das Kommando, was ihr in Zukunft benutzen wollt und immer kommt, wenn ihr den Hund an der Leine zum Kennel führt. Bei uns ist das „in die Box“ .

IV. 3, 2, 1 ENTSPANNUNG

Da euer Hund ja nun schon gelernt hat, dass es kein großer Akt ist, in die Box hinein zu gehen, kommen wir nun dazu, ihm zu zeigen, in der Box zu bleiben und zu entspannen. Hierbei ist eure Stimmung sehr wichtig. Nehmt euch die Zeit, die es braucht, bis euer Hund in der Box eingeschlafen ist oder zumindest sehr entspannt döst. Es ist keine Übung die nur 10 Minuten dauert. Vielleicht dauert es das erste Mal 30 Minuten oder sogar bis zu einer Stunde bis er merkt, dass außer Entspannung nichts passiert und er auch nichts anderes von euch zu erwarten hat. Hierzu kann man wie folgt vorgehen:

  1. Führt den Hund an der Hausleine in Box, wie in Schritt III. (Alternativ könnt ihr euch auch mit eurem Welpen auf den Boden vor die Box setzen und ihn ruhig in den Schlaf streicheln und ihn dann in die Box legen.)
  2. Wenn er direkt wieder rauslaufen möchte, blockiert ihn mit der Hand oder euren Beinen. Schiebt ihn vielleicht vorsichtig zurück hinein. ⇒ WICHTIG: Vermeidet es mit der Hand zu tief in den Kennel zu greifen; es soll der Ort sein, an dem der Hund keinerlei Störung zu befürchten hat. Besonders gut ist das, wenn man einen unsicheren Hund hat, der z.B. auch hektisch oder sogar aggressiv bei Besuch reagiert: Hier hat er Ruhe vor allem und jedem und kann sich selbst zurück ziehen. Dies sollte auch den eigenen oder Besucherkindern klar gemacht werden: DER HUND WIRD IM KENNEL NIEMALS ANGEFASST!

    Wenn euer Hund versucht aus der Box zu kommen, schiebt ihn sanft zurück und blockiert ihn dann mit der Hand oder indem ihr euch vor den Kennel stellt; bleibt dabei ganz entspannt; er wird sich irgendwann hinlegen.

    Wenn euer Hund versucht aus der Box zu kommen, schiebt ihn sanft zurück und blockiert ihn, wenn nötig, dann mit der Hand oder indem ihr euch vor den Kennel stellt; bleibt dabei ganz entspannt; er wird sich irgendwann hinlegen. Tretet dann zurück und setzt euch neben den offenen Kennel.

  3. Wenn er es trotzdem schafft, ganz aus der Box zu kommen, wiederholt ganz ruhig Punkt 1. (Auch hierbei ist die Hausleine von großem Vorteil: der Hund muss nicht mühsam eingefangen oder angefasst werden, um ihn wieder zur Box zu bringen.)
  4. Wenn ihr es also geschafft habt, dass der Hund eure Vorgabe, dass es jetzt nur darum geht in der Box zu bleiben, verstanden hat und es nicht um irgendein Spiel oder andere Tricks geht, wird er sich über kurz oder lang ablegen, weil es ihm zu blöd wird; er wird ja eh ständig wieder an den gleichen Ort gebracht. ⇒ ALSO: Setzt euch mit einem guten Buch, das ihr in weiser Voraussicht schon in Reichweite platziert habt, neben den Kennel. Die Tür kann dabei erst mal offen stehen bleiben.
  5. Wartet bis euer Hund eingeschlafen ist und bleibt beim erstem Mal am besten die komplette Zeit daneben sitzen. (Hier ist ein bisschen Sitzfleisch erforderlich; aber besonders mit einem Welpen ist man ja froh mal eine kleine Auszeit nehmen zu können, oder? 😉 )
  6. Wenn er von sich aus nach ein paar Minuten die Box verlassen möchte, blockiert ihn wieder wie oben beschrieben. Ihr beendet die Zeit im Kennel.
  7. DIESER PUNKT IST MIR DER ALLERWICHTIGSTE: Genießt diese Zeit. Denn hier lernt euer Hund euch zu vertrauen. Er schläft an einem sicheren Ort ein und wenn er aufwacht, seid ihr immer noch da. Viele unterschätzen, diese entspannte Zeit zusammen. Selbst wenn es kein enges Kontaktliegen ist, merkt euer Hund eure Anwesenheit und es stärkt ungemein die Bindung. Grade in der ersten Zeit ist es viel wichtiger, dass der Hund lernt, dass euer zu Hause, ihr und diese Box sein absoluter Ruhepol sind. Im Gegensatz dazu ist es, besonders für Welpen, sehr anstrengend ständig neuen und hektischen Einflüssen ausgesetzt zu sein, ihm Tricks beizubringen oder neue Hundekumpels zu treffen. Beim Kenneltraining lernt der Hund hingegen ganz entspannt etwas Neues und bringt es sich quasi selber bei.
Mit einem guten Buch verfliegt die Zeit schnell und euer Hund wird ihre Entspannung dabei führen und sich schnell ablegen. Auch wenn es hier eher so aussieht, als wenn Tino lieber auch mal einen Blick in das Buch von Ulf Philipper werfen möchte. ;)

Mit einem guten Buch verfliegt die Zeit schnell und euer Hund wird eure Entspannung dabei fühlen und sich schnell ablegen. Auch wenn es hier noch aussieht, als wenn Tino lieber auch mal einen Blick in das Buch „Dog Management“ von Ulf Philipper* werfen möchte.

V. AUSGESCHLAFEN?

Natürlich wird euer Hund irgendwann wieder wach und bei einem Welpen ist es spätestens dann auch schon wieder Zeit zum Pipi machen. Wenn ihr also merkt, er wird wach, nehmt die Leine auf und sagt euer Auflösungswort (bei uns „Voran“). Um die Stimmung weiter entspannt zu halten, sollte man jetzt auch nicht direkt wieder die nächste Trainingseinheit oder etwas ähnlich aufregendes anfangen. Auch aus dem Kennel hinaus zu kommen soll etwas ganz normales und ruhiges sein.

VI. TÜR ZU!

Nein, so rabiat sollt ihr es natürlich nicht machen und eurem Hund einfach die Tür vor der Schnauze zuknallen. Wenn ihr die Entspannungsübung vielleicht schon 2 -3 gemacht habt und euer Hund schon schnell einschlummert, wenn ihr daneben sitzt, lehnt die Tür mal an. Bleibt dabei weiter neben dem Kennel sitzen. Wenn euer Hund versucht mit der Pfote die Tür wieder aufzuschieben, blockiert sie mit der Hand. ⇒ WICHTIG: Ich würde im Aufbau versuchen alles, was im Zusammenhang mit dem Kennel passiert, nicht unbedingt mit „Nein“ zu belegen. Wenn der Hund sich aber einen Spaß daraus macht, mit der angelehnten Tür zu spielen, gab es auch bei uns mal ein kurzes „Nein“ in Kombination mit der Blockade und er wurde ein bisschen weiter in die Box hinein geschoben.            

Kennel Tür zu

Nach einiger Zeit könnt ihr die Tür bereits anlehnen, während ihr weiter neben dem Kennel sitzt. Im nächsten Schritt schließt die Tür und wartet bis eure Fellnase eingeschlummert ist.

Wenn ihn die angelehnte Tür nicht mehr stört und genauso entspannt einschläft, wie mit geöffneter Klappe, könnt ihr im nächsten Schritt die Tür schließen. Wenn auch das klappt und der Hund weiter schlummert oder zumindest weiter entspannt bleibt und einfach beobachtet, steht mal auf, fangt im selben Raum an zu bügeln, macht den Fernseher an, setzt euch auf die Couch und entfernt euch etwas. Euer Hund wird immer entspannter werden, auch wenn ihr mal länger den Raum verlasst; denn er hat ja gelernt ihr kommt immer wieder und holt ihn aus der Box.

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MAL EINE AUSZEIT NEHMEN

Ihr könnt die Box, nach dem richtigen Aufbau auch als „Auszeit“ nutzen. Wenn euer Welpe mal „freidreht“ und eventuell im Spiel kein richtiges Ende findet, nehmt ihn kommentarlos an der Hausleine mit zur Box, gebt ganz entspannt euer „Box-Kommando“ und schließt die Tür. Ihr könnt zuerst daneben sitzen bleiben, ihn aber „freundlich“ ignorieren. Also ihn nicht anstarren oder vorher mit ihm meckern. Er wird vielleicht die ersten Minuten ein bisschen vor sich hin motzen, sich aber dann schnell erinnern, dass die Box ja der Ort seiner Entspannung ist und sich selbst in diesen Zustand bringen. Denn auch wenn Welpen gerne spielen und rumtollen; wenn sie überfordert sind, fehlt ihnen oft das „innere Werkzeug“ wieder runter zu fahren und sie sind unnötig gestresst. Und viele macht es dann noch verrückter, wenn man noch versucht sie durch dauernde Ansprache und Kommandos („Nein“/“AUS“/“Lass das“/“Auf den Platz“/“Runter“) im Spiel zu unterbrechen oder ein minimales Ablassen direkt wieder „anclickert“. Sie lernen dadurch nur, dass ihr ihnen nicht dabei helft wieder runter zu kommen, sondern ihnen in solchen Situationen noch Entertainment, Aufmerksamkeit und Naschis bietet.

Tino an seinem ersten Tag bei uns; die Box wurde gerne und mit herausgenommener Klappe direkt in Beschlag genommen.

Tino an seinem ersten Tag bei uns; die Box (hier noch mit herausgenommener Klappe) hat er direkt in Beschlag genommen. Und auch für eine kleine Auszeit lernte er schnell die Box als Ort der Ruhe kennen.

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LETZTE TIPPS UND TRICKS

  • Um den Hund schnell an den Kennel zu gewöhnen, nutzt einfach jede Rückkehr, wenn ihr von der Gassirunde nach Hause kommt. Ich finde es generell wichtig, dass der Hund nach einem Spaziergang nicht denkt, es geht zu Hause direkt weiter mit Halli Galli. So bekommen schon Welpen, schnell einen gesunden Schlaf-/ Wachrhythmus.
  • Welpen fällt es zu Beginn oft leichter im Kennel zu entspannen, wenn ihr die Finger ein bisschen durch das Gitter steckt, wenn sie gerade im Begriff sind einzuschlafen.
  • Legt außerdem ein getragenes Shirt von euch und die Decke, die ihr vom alten zu Hause mitbekommen habt, mit in die Box.
  • Wenn ihr die Box auch nachts nutzen möchtet, hilft es dem Welpen manchmal eine lauwarme Wärmflasche und einen kleinen analogen Wecker mit in die Kiste zu legen. Das simuliert die Nestwärme und den Herzschlag von Mama und den Geschwistern.
  • Wenn euer Welpe noch nicht stubenrein ist und ihr die Box schon so groß gekauft habt, dass er auch als erwachsener Hund noch genügend Platz hat, verkleinert die Grundfläche erstmal mit einer kleinen Kiste, die ihr in den hinteren Teil des Kennels stellt. Welpen erledigen sonst nachts schon mal ihr Geschäft in die hintere Ecke der Box und kuscheln sich dann in eine andere, ohne sich zu melden.
  • Durch dieses Kenneltraining kann man Hunden auch das Alleinebleiben über einen längeren Zeitraum näher bringen. Viele Hunde kommen nämlich mit der Aufgabe ganz alleine für die ganze Wohnung oder das Haus verantwortlich zu sein, nicht gut zurecht oder sind einfach unsicher wo ihr seid und wann ihr wieder kommt. Innerhalb des Kennels haben sie aber keine Verantwortung mehr und haben gelernt, dass ihr immer wieder kommt und sie darum ganz entspannt eine Runde schlafen oder dösen können.
  • Man kann mit diesen 6 Schritten, dem Hund auch das entspannte Autofahren in der Box beibringen. Stellt euch dazu mit eurem Hund in der Box auf einen ruhigen Parkplatz oder in eure Auffahrt. Setzt euch daneben oder auf die Rückbank, sodass er merkt ihr seid die ganze Zeit da. Wenn er nach einigen Wiederholungen gelernt hat, im stehenden Wagen in der geschlossenen Box entspannen zu können, fahrt eine kurze Strecke. Dehnt die Strecken dann langsam aus. Ihr werdet sehen; eurer Hund will gar nicht mehr aussteigen und wird das Auto lieben. 😉
Auch zu zweit kann man, wie Tino und Daffy, ganz entspannt eine Runde in der Box abhängen. ;)

So wie Tino und Daffy, kann man auch zu zweit ganz entspannt eine Runde in der Box abhängen.

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 ZUM ABSCHLUSS

Das war unsere Anleitung zum Kenneltraining für mehr Entspannung. Wir hoffen, ihr habt hiermit eine kleine Hilfe, wie ihr eurem Hund und euch eine Möglichkeit schaffen könnt, eine ruhige und gelassene Atmosphäre zu Hause zu haben. Es gibt vielleicht auch andere Herangehensweisen, indem man dem Hund das „Warten“ in der Box durch ständiges Belohnen in Form von Worten oder Leckerli beibringen kann. Aber ihr wollt ja kein Rennpferd, was in der Box auf den „Startschuss“ für das nächste Kommando ausharrt, sondern einen Hund, der seine innere Ruhe in der Box finden kann. Wenn ihr lieber so arbeiten möchtet, kann ich das verstehen, aber euch leider keine Anleitung geben, wie sowas sinnvoll und nachhaltig von statten gehen soll. Falls ihr zu diesem Artikel Fragen oder bereits Erfahrungen habt, hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

Euch allen eine entspannte Zeit,

Eure Pawtners in Crime.

Tino enstpannt Augen geschlossen

* Dieser Beitrag enthält Affiliate Links.

6 Comments

  • Reply Claudi 8 Aug 2016 at 5:37 pm

    Super Artikel, ich freue mich dass du ihn niedergeschrieben hast! 🙂

    • Reply Tino & Marit 8 Aug 2016 at 7:06 pm

      Danke dir, liebe Claudi! Es hat uns damals so so viel geholfen und da dachte ich, vll hilft es noch anderen. 🙂

  • Reply martin 19 Aug 2016 at 8:05 am

    Ein supertoller und extrem ausführlicher artikel. liest man selten in der form. gerade das „wie baue ich es auf“ ist extrem hilfreich und sollte jedem helfen seinen hund schnell an eine box/kennel zu gewöhnen.

    • Reply Tino & Marit 19 Aug 2016 at 6:19 pm

      Danke dir! Ich freue mich immer, wenn ich helfen kann und mal einen anderen Blickwinkel als ständiges Konditionieren kann. 🙂

  • Reply Tine & Bliss 30 Aug 2016 at 10:38 am

    Ach, wie oft habe ich das versucht und nie mit Bliss hinbekommen. Ich glaube, dass ich irgendwann mal was falsch gemacht habe 🙁
    Nun ja, aber mit der Deckenübung komme ich ganz gut voran. Sie hat dann die Decke als Ruheort für sich. Lieben Dank für deinen tollen Beitrag!

    • Reply Tino & Marit 30 Aug 2016 at 4:05 pm

      Mit einem erwachsenen Hund kann es schwieriger sein, weil sie vielleicht schon ihre festen Schlaf-Wachrhythmen haben und wenn man es dann in einer Phase macht, in der sie eigentlich wach ist, dauert es logischerweise länger bis sie wirklich zur Ruhe kommt, als bei einem Welpen der ja noch viel mehr schläft und darum die Box einfach schneller annehmen. Dass sie auf der Decke entspannen kann ich ja auch schon mal super. Ich finde halt die Box super für unterwegs (aber auch bei manchen für die Arbeit), wenn man im Hotel ist, bei Turnieren oder halt auch einfach im Auto. Wenn du noch fragen hast, wie du vielleicht die Box nochmal neu aufbauen kannst, schreib mir gerne eine Mail an kontakt@pawtnersincrime.de =)

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